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Spielerverletzungen: Die versteckten Kosten des Fußballs – vom Spielfeld bis zum Wert des Vereins

8. Oktober 2026 um 14:56

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Eine Verletzung verursacht dem Verein eine Reihe von Kosten – von der Entlohnung des fehlenden Spielers bis hin zum Rückgang des Marktwerts und der Einnahmen aus Spielen.

Im modernen Profifußball ist ein Spieler nicht nur eine menschliche Arbeitskraft, die am Spiel teilnimmt, sondern auch ein Teil des Kapitals eines Vereins. Vereine investieren in die Verpflichtung eines Spielers Transferkosten, Gehalt, Prämien sowie Entwicklungskosten und Wartungskosten. Oft spielt der wirtschaftliche Wert eines Spielers auf dem Transfermarkt auch eine Rolle für die immateriellen Vermögenswerte des Vereins. Wenn ein Spieler verletzt wird, verliert das Team nicht nur ein technisches Element, sondern ein wirtschaftliches Gut wird für eine gewisse Zeit aus dem Wertschöpfungsprozess ausgeschlossen.

Neue Beweise unterstreichen dies noch deutlicher. Eine im Oktober 2026 im Journal Frontiers in Public Health veröffentlichte Studie untersuchte 12.948 Verletzungen von 2.061 Spielern aus den fünf großen europäischen Ligen und analysierte den Zusammenhang zwischen Verletzungen und Veränderungen des Marktwerts der Spieler. Die Daten der Studie beziehen sich auf Verletzungsaufzeichnungen aus dem Zeitraum von 2008 bis August 2024.

Die wichtigste Erkenntnis der Studie ist, dass die Dauer der Verletzung und nicht die Art der Verletzung mit einem Rückgang des Marktwachstums zusammenhängt. Im Vergleich zu Verletzungen von ein bis 14 Tagen waren Verletzungen von 31 bis 90 Tagen mit einem Rückgang des Marktwerts um 23,6 Prozentpunkte und Verletzungen von mehr als 90 Tagen mit einem Rückgang von 26,4 Prozentpunkten verbunden. Die Studie betont jedoch, dass diese Zahlen statistische Zusammenhänge sind und nicht als definitiver kausaler Zusammenhang interpretiert werden sollten. In der vergleichenden Analyse hatten verletzte Spieler im Durchschnitt ein um 4,4 Prozent geringeres Wertwachstum als vergleichbare nicht verletzte Spieler, und dieser Unterschied betrug bei Verletzungen von mehr als 90 Tagen 26,9 Prozent.

Diese Erkenntnis hat erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Stellen Sie sich vor, ein Verein hat einen Spieler mit einem Marktwert von 20 Millionen Euro. Wenn eine lange Verletzung dazu führt, dass sein Marktwachstum im Vergleich zu einem vergleichbaren Spieler um 26,9 Prozent geringer ist, geht es nicht nur um seine Abwesenheit im Spiel. Auch bei einem Verkauf oder einer Vertragsverlängerung könnte die wirtschaftliche Kapazität des Vereins beeinträchtigt werden. Dieses Beispiel dient jedoch nur dazu, das wirtschaftliche Ausmaß zu veranschaulichen und bedeutet nicht, dass der Wert eines Spielers in jedem Fall genau um diesen Betrag sinkt.

Eine weitere Studie über die großen europäischen Ligen ergab, dass eine einprozentige Erhöhung des Risikos einer schweren Verletzung – einer Verletzung, die zu einer Abwesenheit von mehr als 28 Tagen oder fünf Spielen führt – mit einem Rückgang des Marktwerts des Spielers um 2,29 Prozent verbunden ist. Auch diese Studie unterstreicht die Bedeutung der Berücksichtigung des Verletzungsrisikos in den Bewertungsmodellen und der Finanzplanung der Vereine.

Die Kosten einer Verletzung beschränken sich jedoch nicht auf den Marktwert des Spielers. Die Daten des Men’s European Football Injury Index des Versicherungsunternehmens Howden zeigen, dass die fünf großen Männerfußball-Ligen in der Saison 2024/25 insgesamt 4.456 Verletzungen verzeichneten, wobei die Kosten für die Gehälter verletzter Spieler für die Vereine auf etwa 676,14 Millionen Euro geschätzt werden. In den fünf Spielzeiten von 2020/21 bis 2024/25 betrug die Anzahl der Verletzungen 22.596 und die damit verbundenen Kosten etwa 2,97 Milliarden Euro.

Dieser Index misst jedoch hauptsächlich die Kosten für das Gehalt eines Spielers während seiner Abwesenheit und sollte nicht mit dem „gesamten wirtschaftlichen Verlust des Fußballs“ gleichgesetzt werden. Die tatsächlichen Kosten können einen Rückgang der Einnahmen aus Spielen, die Kosten für die Verpflichtung eines Ersatzspielers, die Kosten für Behandlung und Rehabilitation, den Rückgang der sportlichen Leistung, den Verlust von Werbeeinnahmen und in einigen Fällen auch den Rückgang des Transferwerts eines Spielers umfassen.

Ein deutliches Beispiel für diese wirtschaftliche Kette findet sich in der spanischen La Liga. Eine Studie, die die Saison 2018/19 und 20 Vereine der Liga untersuchte, ergab, dass 270 Muskelverletzungen zu 964 Spielausfällen führten und die mit Muskelverletzungen verbundenen Gehaltskosten für jeden Verein durchschnittlich etwa 365.811 Euro pro Monat betrugen. Bei Oberschenkelverletzungen betrug dieser Betrag etwa 47.388 Euro pro Monat und Verein.

Das Problem kann sogar über die Gehaltskosten hinausgehen. Dieselbe Studie zeigte, dass die endgültige Tabellenposition im Vergleich zur erwarteten Position erhebliche Auswirkungen auf die Einnahmen aus Fernsehrechten haben kann, und im untersuchten Beispiel war der Unterschied zwischen der Leistung und den Erwartungen mit Veränderungen der Fernsehrechtseinnahmen von etwa 45,2 Millionen Euro verbunden. Wenn also mehrere Verletzungen zu einem Rückgang der Teamleistung führen, können die wirtschaftlichen Auswirkungen indirekt und viel größer sein als die Kosten für das Gehalt eines verletzten Spielers.

Auf der anderen Seite hat auch die Prävention einen wirtschaftlichen Charakter. Die UEFA Elite Club Injury Study, die seit 2001 in Europa durchgeführt wird, hat nun mehr als 28.000 Verletzungen in 96 Vereinen über einen Zeitraum von 25 Jahren untersucht. Das Projekt zeigt, dass eine regelmäßige Überwachung von Verletzungen und die Nutzung von medizinischen und leistungsbezogenen Daten den Vereinen helfen kann, Risiken zu verringern und das Spieler-Management zu verbessern.

Darüber hinaus spielt auch der Druck des Spielkalenders eine Rolle. Der FIFPRO Player Workload Monitoring-Bericht für die Saison 2023/24 zeigte, dass 54 Prozent der 1.500 überwachten Spieler mit einer hohen oder übermäßigen Arbeitsbelastung konfrontiert waren; 31 Prozent waren in einem Spielplan mit 55 oder mehr Spielen aufgeführt und 30 Prozent waren mindestens sechs Wochen lang mit einem Programm von zwei oder mehr Spielen pro Woche konfrontiert. Diese Zahlen zeigen, dass die Verwaltung der Spielbelastung und der Erholungsphasen, neben der Gesundheit der Spieler, auch Teil des wirtschaftlichen Risikomanagements eines Vereins ist.

In einer solchen Situation kann ein professioneller Verein Verletzungen nicht nur im medizinischen Bereich definieren. Der medizinische Direktor, der Trainer, der technische Direktor, der Finanzdirektor, die Datenanalyseabteilung und die Vertragsabteilung müssen in einer einheitlichen Spieler-Risikomanagement-Kette eingebunden sein.

Bei der Verpflichtung eines Spielers sollte man nicht nur auf Tore, Vorlagen, Spielminuten und Marktwert achten; die Verletzungsgeschichte, die Anzahl der Spieltage der Abwesenheit, die Wiederholung von Verletzungen, das Alter, die Art des Vertrags, das Gehalt und die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler während der Saison verfügbar ist, sollten ebenfalls in das Entscheidungsmodell einbezogen werden.

Aus dieser Perspektive heraus sind die Versicherung von Spielern, vertragsbasierte Anwesenheitsmodelle, die Überwachung der Trainingsbelastung, Investitionen in die Sportmedizin und die vorausschauende Analyse von Verletzungen keine zusätzlichen Kosten mehr, sondern Teil des Kapitalmanagements des Vereins.

Der Profifußball steht tatsächlich vor einer einfachen Gleichung: Ein Verein, der Millionen von Euro in den Kauf und das Gehalt eines Spielers investiert, muss auch einen wirtschaftlichen Plan haben, um die Nutzbarkeit dieses Kapitals zu erhalten. Wenn ein Spieler verletzt wird, kann der Verein gleichzeitig Gehalt zahlen, den Spieler nicht zur Verfügung haben, Kosten für einen Ersatz aufwenden, seine sportliche Leistung verlieren und am Ende mit einem Vermögenswert konfrontiert sein, dessen Marktwert ebenfalls unter Druck geraten ist.

Die Wirtschaftlichkeit von Verletzungen sollte daher zu einem ernsthaften Bestandteil der Finanzverwaltung von Fußballvereinen werden, da die Prävention von Verletzungen im modernen Fußball nicht nur der Gesundheit der Spieler dient, sondern auch der Erhaltung des Vermögenswerts des Vereins wichtig ist.

Mehdi Hajivand, Sportökonom

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